Montag, 10. Januar 2011

"Man Down" von Andrè Pilz


274 Seiten
ISBN 9783852186238
Haymon-Verlag
Preis: 19,90€
gebund. Ausgabe


Wie weit unten kann Mann landen? Das frage ich mich, nachdem ich dieses Buch beiseite gelegt habe. Kai Samweber, ein junger Mann, er steht mitten im Leben, ist Dachdecker. Nach einem Unfall auf einer Baustelle ändert sich alles. Kein Geld, keinen Job, keine Perspektive. Die Wohnung verschimmelt, das Klo kaputt, die Klamotten seit Wochen am Leib, ewige Rückenschmerzen. Und Schulden bei der Bank... jede Menge. Sein ehemaliger Chef läßt ihn sitzen, kein Gehalt, keine Abfindung... nichts.
Sein Freund Shane hätte da ja was für ihn. Denn das Geld, dass seine Brüder Kai geliehen haben, kann er nicht zurück bezahlen... niemals. Drogenkurier aus der Schweiz, dann wäre er seine Schulden bald los. Aber Kai will das nicht. Er hat doch gerade seine große Liebe kennen gelernt- Marion, Studentin. Aber da ist etwas, ein Geheimnis, Kai weiß nur nicht, was. Und Marion schweigt. Haben die zwei eine Chance?

Mein Fazit

ausgezeichnet

Andrè Pilz hat es mit diesem Buch geschafft, dass ich es innerhalb von 3 Tagen gelesen habe. Es ist knallhart geschrieben, nichts, aber auch garnichts ist da geschönt. Sex, Drogen, Alkohol, die ganze Bandbreite. Mit unverblümter Wortwahl nimmt Kai uns mit auf seinen Weg nach unten. Der Leser fiebert mit, sitzt neben Kai im Zug, die Tasche mit dem Gras unterm Sitz. Der Leser säuft mit, um sich die Welt schön zu saufen. Der Leser sitzt neben ihm auf dem Bett, während Kai mit Marion Sex hat. Der Leser bekommt auf die "Fresse", als Kai überfallen und verprügelt wird. Der Leser raucht eine Tüte mit ihm und schaut durch die rosarote Brille. Der Leser schaut Kai über die Schulter, wenn er Briefe schreibt an seinen kleinen toten Bruder.

Voller Anspannung liest sich dieses Buch, ständig ist man in "Hab-Acht"-Stellung, wartet auf die nächste Überraschung, den nächsten Schlag. Und der kommt... garantiert. Schmerzvoll, direkt... .
Vielleicht schreckt es manche Leser ab, ständig mit den Worten "Fuck, Wichser, Ficken" usw. bombadiert zu werden. Gewalttätige Szenen werden sehr bildhaft beschrieben, das Kopfkino leistet ganze Arbeit. Aber das Buch ist lesenswert, ohne jede Frage. Denn so ist das Leben oft: Hart, grausam, ungerecht.
Es freut mich, dass ich meinem 19-jährigen Sohn dieses Buch weiterempfehlen konnte, denn eigentlich liest er nicht gern.

Der Autor
geboren 1972, lebt in München und Vorarlberg. Student, Gitarrist, Briefträger, Museumswärter und Flughafenarbeiter, seit 2007 freier Schriftsteller. Bisher erschienen die Romane No llores, mi querida – Weine nicht, mein Schatz. Ein Skinhead-Roman(2005, Dramatisierung am Deutschen Theater Berlin 2007) und Bataillon d’Amour (2007).
Quelle: Haymon-Verlag

Ich bedanke mich recht herzlich beim Haymon-Verlag und besonders bei Nicole Oberdanner aus der Marketing-Abteilung für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars.

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