Donnerstag, 19. Januar 2012

"Die Bucht des grünen Mondes" von Isabel Beto

608 Seiten
ISBN 9783499257018
rororo-Verlag
Preis: 9,99€
Taschenbuch

Brasilien um 1900, ein Land voller Geheimnisse. Land wie auch Leute sind der Berlinerin gänzlich unbekannt, doch ihr Vater hat beschlossen, dass Amely den Kautschukbaron Kilian Wittstock heiraten soll. Ohne Chance auf Verweigerung reist Amely über den Ozean in den Amazonas, unglücklich und ängstlich, schüchtern und unerfahren.

Wittstock legt all seine Hoffnung in die neue Ehefrau, denn seine drei Söhne sind tot, der jüngste starb gerade zum Zeitpunkt Amelys Ankunft. Ein schlechtes Omen, wie es scheint, doch Amely will alles dafür tun, ihren Mann zufrieden zu sehen, obwohl sie weiß, dass sie ihn nie lieben wird.
Leider kann sie sich nur schwer an das neue Umfeld gewöhnen, zuviel unbekanntes und fremdartiges lässt sie kaum zur Ruhe kommen. Zudem wird bald klar, dass der liebenswürdige Gatte grob, laut und gewalttätig ist. Für Amely wird das alles zuviel, nachdem sie auch noch eine Fehlgeburt erleidet.

Meine Meinung

Der Amazonas, die grüne Hölle Brasiliens. Ein Land, das neugierig macht, genau wie dieses Buch. Eigentlich sind es drei Bücher in einem, denn es ist in drei große Überschriften aufgeteilt.

Isabel Beto bedient sich hier der damaligen Zeit entsprechend einer zurückhaltenden, einfachen, aber auch gehobenen Sprache, wie sie evtl. auch in den höheren Töchterschulen gelehrt wurde. Dementsprechend liest sich der Text flüssig, es geht zügig voran.

Die dargestellten Personen und ihre Charaktere sind deutlich erkennbar. Einerseits die unterdrückte, junge Frau, bitte ohne eigene Meinung, stets bemüht, es allen recht zu machen, egal zu welchem Preis. Der Ehemann dagegen als stattliche, herrische Person, wirkt auf Anhieb unsympathisch und kann seine Haltung während der ganzen Erzählung auch nicht verbessern.
Das bewirkt bei mir leider auf die Dauer den Wunsch, dem Herrn mal ordentlich die Meinung zu sagen und seine Frau  zu fragen, warum sie sich so etwas gefallen lasst. Die Darstellung der damaligen deutschen Frau als braves Hausmütterchen kommt leider immer wieder zu Tage, und es dauert lange, bis sich diese Situation ändert. Aber ja, sie ändert sich zum Glück.

Die eigentlichen Bewohner Brasiliens werden zeitgemäß als Wilde bezeichnet und auch so dargestellt. Bei manchen Darstellungen und Meinungsäußerungen, in denen es um das Leben der im Amazonas Lebenden geht, konnte ich einfach nur den Kopf schütteln, teilweise hat mich die Diskriminierung schon aufgeregt, obwohl das Gelesene ja früher sicher auch so dargestellt und gelebt wurde.

Das urtümliche Leben Regenwald mit seinem facettenreichen Dasein und vielen Unbekannten  macht einen Großteil der Erzählung aus, dadurch wurden einige Wogen meinerseits geglättet und es kehrte eine tatsächlich entspannte Atmosphäre ein, und manchmal wünschte ich mir, beschriebenes selbst sehen zu wollen.

Unterm Strich

Die wunderbare, und auch wundersame Darstellung des Regenwaldes macht einiges an unschönen und rauhen Begebenheiten wieder wett. Dafür vergebe ich 4 Sternthaler.

Die Autorin
Isabel Beto arbeitete als Malerin, bevor sie anfing zu schreiben. Die Farben Südamerikas haben sie schon immer besonders fasziniert, und sie liebt es, ganz in ihren Geschichten und Bildern abzutauchen und so fremde, exotische Welten erleben zu können.
Quelle: vorablesen

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Autorin, die mir dieses Rezensionexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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