Sonntag, 23. Juni 2013

"Sterben kommt nicht in Frage, Mama!" von Judith End

Drömer-Verlag
302 Seiten
ISBN 978342675399
Drömer-Verlag
Preis: 16,95€
Taschenbuch


Judith End ist 25 Jahre jung, Studentin und alleinerziehende Mutter der 4-jährigen Paula.
Und Judith hat Brustkrebs.
Mitten aus dem Leben gegriffen begibt sie sich in die Mühlen der Medizin und kämpft mit allen Mitteln, die möglich sind: OP's, Chemotherapie und Bestrahlung.
Gemeinsam mit ihrer Familie und ihren Freunden geht sie einen Weg, den eine 25-jährigen eigentlich nicht oder lieber nie gehen sollte.

Meine Meinung

Eigentlich sollte man ja meinen, dass ich durch meinen Beruf als Krankenschwester genug Leid sehe. Aber dieses Buch zu lesen war mir irgendwie wichtig, vielleicht, weil meine Mutter und auch meine Stiefmutter an den Folgen des Brustkrebs verstorben sind. Klar waren sie keine 25, aber bei Krebs sind alle gleich alt oder jung.
In einer Art Tagebuch schreibt Judith End über ihre Krankheit, vom ersten Tag der Diagnosestellung an. Sie beschreibt sehr gefühlvoll und detailliert alle Phasen von "sich klein machen und verstecken, unfähig, nur einen klaren Gedanken festzuhalten" bis zu "Stark sein für sich und ihre kleine Tochter". Und Judith lässt nichts aus.

Nachdem klar ist, dass es nicht bei einer kleinen Operation bleibt, sondern eine radikalere Therapie her muss, sind auch die daraus resultierenden Folgen unabwendbar. Zum einen Dinge wie Perücke, Silikonbrustprothese, altertümliche BH's, Port-Anlage, also sozusagen die Hardwareanteile.

Aber was ist mit der Psyche? Die kann man nicht ersetzen, und gerade jetzt hat sie so viel auszuhalten! Die vielen Gedanken, Albträume, Trauer, Schmerz, Verlust, die Liste der Emotionen ist lang und länger. Und es geht einem beim Lesen so nahe. All die Probleme, die sich hier auftun, Dinge wie Putzdienst im Kindergarten, Einkaufen gehen, Urlaub machen, Arbeiten, Leben. Vor allen Dingen Leben, sich als Mensch, als Frau fühlen.

Die Liste läßt sich unendlich weiter führen, aber das alles wird klein gegenüber dem Wunsch, gesund zu sein.
Trotzdem musste Judith sich Gedanken machen über was wäre wenn. Was geschieht mit Paula, wer geht mit ihr zur Einschulung, wer ist bei ihrer Schulabschlussfeier dabei?
Ganz alltägliche Dinge rücken weit in den Hintergrund, manche werden nie wieder erreicht.

Judith hat den Kampf gegen den Brustkrebs gewonnen, doch leider erkrankte sie später an Gebärmutterhalskrebs und verstarb letztes Jahr im Sommer, 3 Tage, nachdem sie geheiratet hat.

Unterm Strich

Dieses Buch bleibt unbewertet, aber ich danke Judith End für den doch sehr persönlichen Einblick, auch in ihr Gefühlsleben. Ihr und vielen anderen Frauen gilt mein aufrichtiger Respekt für den Mut und die Stärke, mit dieser Krankheit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Die Autorin
Judith End, geboren 1981, studierte Medienkultur, Literatur und Soziologie in Hamburg und brachte 2002 ihre Tochter Paula zur Welt, die sie allein erzieht. In ihrer Magisterarbeit beschäftigt sie sich mit der »Vorstellung vom irdischen Paradies«, als sie im Herbst 2006 die Diagnose Brustkrebs erhält. Was dann geschieht, ist die Geschichte ihres Buches "Sterben kommt nicht in Frage, Mama!", das von Presse und Lesern begeistert aufgenommen wurde; die FAZ lobte: Das Buch "ist ehrlich, witzig, ironisch, gut geschrieben, und es erspart dem Leser nichts". Der Krebs, der besiegt schien, kam zurück. Im Sommer 2012 verlor Judith End den Kampf gegen die heimtückische Krankheit.
Quelle: Drömer-Verlag Autorenseite

Kommentare:

  1. Oh nein :( Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass Judith End wieder an Krebs erkrankt war und den Kampf dann verloren hat. Ich hatte das Buch 2010 direkt nach Erscheinen gelesen und sie kurz darauf auf der Buchmesse in Frankfurt persönlich getroffen.

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  2. Das finde ich auch sehr traurig. Während des Lesens hoffte ich noch so, und habs erst hinterher recherchiert.
    Liebe Grüße, Petra

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