Sonntag, 19. Januar 2014

"Fünf Kopeken" von Sarah Stricker

Eichborn-Verlag
506 Seiten
ISBN 9783847905356
Eichborn-Verlag/ Lübbe
Preis: 19,99€
gebundene Ausgabe


Wenn man ein Buch mit den Worten beginnt, dass die eigene Mutter hässlich ist, was mag dann dort wohl zum Vorschein kommen?
Nun ja, in diesem Fall eine ganze Menge, und vor allen Dingen über die Familie. Dinge, die man vielleicht lieber nicht erfahren möchte über die eigene Familie. Aber genau das ist es hier nunmal: Eine Geschichte über die Familie Schneider. Großvater Schneider, der aus dem Kurzwarenladen seines Vaters im Lauf der Jahre ein Bekleidungsimperium gemacht hat. Großmutter Schneider, die sich ständig um alles kümmert, wenn es nach ihr geht, ständig voller Angst, es jemandem nicht recht zu machen. Aber die eigentliche Hauptperson ist die schon anfangs als hässlich bezeichnete Mutter, die aber so schlau, so intelligent und so wissbegierig ist, dass für alles andere kaum Zeit bleibt. Sie wird behütet, gehegt und gepflegt, verhätschelt und getätschelt wie ein rohes Ei. Es scheint immer alles perfekt, doch wer will das schon...

Meine Meinung

Tochter Anna erzählt hier aus der Ich-Perspektive die Geschichte ihrer Mutter bis in unsere Zeit, als diese schwer erkrankt und klar wird, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt.
Es ist ein Buch, das man entweder gleich mag oder garnicht. Mit den oft verschachtelten, in sich verknoteten Sätzen ist es nicht immer einfach, dem Ganzen zu folgen. Es ist sehr detailreich und informativ, immerhin sind hier 3 Generationen derart miteinander verknüpft, da gibt es halt sehr viel zu berichten.
Ich weiß nicht, warum, aber trotz fehlender Spannung hat es mich gefesselt. Es gibt viele Situationen, die durch ihre oft dramatischen Dialoge der Großmutter skurril und komisch sind, aber oft wird auch Verzweiflung und Traurigkeit sichtbar.

Und durch den teilweise pfälzischen Dialekt der Familie entsteht so eine gelungene Mischung, die mich trotz einiger Längen fasziniert hat.
Das einzige, was mir nicht gefällt, ist die Anonymität dieser Familie, denn ich habe nicht erfahren können, wie sie alle heißen bis auf Anna, die Erzählerin. Das macht das Ganze Gesichtlos, es fiel mir schwer, mir vorzustellen, wie die Personen wohl aussehen mögen, ohne Namen gelang mir das nicht so recht.

Unterm Strich

Familiengeschichte mit Herz und Seele, bis tief ins Innere, die mir gut gefallen hat. Sie hat mich berührt, trotz der anonymen Stimmung. Darum 5 Sternthaler von mir.

Die Autorin
Sarah Stricker, 1980 in Speyer geboren, schrieb nach Einsätzen bei der taz und Vanity Fair für viele deutsche Zeitungen und Magazine (Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Neon). 2009 ist sie mit einem Stipendium nach Tel Aviv gegangen und kurzerhand dort geblieben, sie berichtet für deutsche Medien über Israel und für israelische Medien über Deutschland. "Fünf Kopeken" ist ihr schriftstellerisches Debüt, für einen Auszug daraus ist sie 2011 mit dem Martha- Saalfeld-Förderpreis ausgezeichnet worden.
Quelle: Eichborn/ Lübbe Autorenseite

Vielen Dank an das Amazon-Vine-Programm und den Eichborn-Verlag für dieses Exemplar.

Kommentare:

  1. Schöne Rezi :)
    Die Meinungen scheinen sich bei diesem Buch wirklich zu spalten .. entweder man liebt es .. oder liest es erst gar nicht zu Ende :D
    Danke , Jimmy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, man muß es sich wirklich gut überlegen, zumal es ja auch keine günstige Angelegenheit ist, und wenn man es dann nicht mag...
      LG Petra

      Löschen
  2. Der erste Satz aus "Fünf Kopeken" bleibt hängen, er macht neugierig und vor allem Lust auf mehr. Über das Münchener Literaturfest wurde vor wenigen Monaten doch diese Leselawine Aktion ins Leben gerufen, dort hörte ich erstmals diesen wirklich einprägenden Satz aus Fünf Kopeken. Mit deiner schönen Rezension weiß man in Kürze, auf was man sich einlässt, auch deine Begeisterung ist merklich zu spüren. Bei Mara von Buzzaldrins Bücher bin ich erstmals auf die Autorin aufmerksam geworden. Wenn ich mich nicht irre, gibt es auf ihrem Blog sogar ein sehr interessantes Interview mit Sarah Stricker. Nun, ich überlege noch, ob das Buch etwas für mich sein könnte, aber dein Leserückblick hat mir den Mund wässrig gemacht. Liebe Petra, es ist schön wieder dabei zu sein, mitzumischen, zu träumen und zu lesen, darüber zu schreiben und... ach was soll ich noch sagen. Auf jeden Fall das: Danke, dass du mich wieder in deinen Blogroll aufgenommen hast. Und, es ist schön das es dich gibt, denn mit deiner wunderschönen Weihnachtskarte kam erstmals wieder die Frage in mir auf, ob ich wieder bloggen will. Und wie soll ich sagen, die Sehnsucht wurde von Tag zu Tag größer. Das ist auch dein Verdienst. ;) Ich freue mich so sehr!

    Viele liebe Grüße,
    Tanja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Meine liebste Tanja,
      es freut mich sooo sehr, von dir zu lesen und ehrlich, ich bekam beim lesen deines Kommis ein bisschen Gänsehaut... ohne Scherz!
      Ganz liebe Grüße und herzlichst willkommen zurück!

      Löschen
  3. Tolle Rezension und mit dem Buch hast du absolut meinen Geschmack getroffen :-) ich glaube wenn mir das Buch mal in der Bibliothek oder bei den Mängelexemplaren unterkommt werde ich es probieren, um es sofort zu kaufen reicht die Bücherkasse und Begeisterung noch nicht :-D

    Viele liebe Grüße, Alex

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...