Mittwoch, 12. November 2014

"Zwillingssterne" von Cristina Moracho

Königskinder/ Carlsen-Verlag
431 Seiten
ISBN 9783551560056
Königskinder/ Carlsen-Verlag
Preis: 18,90€
gebundene Ausgabe


Oliver und Althea, sie kennen sich seit ihrer Kindheit. Nachbarskinder, die wie Kletten aneinander hängen, manche denken sogar, sie wären Zwillinge. Sie gehen gemeinsam durch dick und dünn, sind beste Freunde für's Leben.
Aber irgendwann werden aus Kindern langsam Jugendliche und die Gefühle und Ansichten ändern sich. Es kribbelt, ist irgendwie anders, aber trotzdem schön. Noch schöner wäre es, wenn es beiden so ginge, aber manchmal hat man vielleicht einfach Angst vor dem neuen. Als Oliver dann an dem seltenen Kleine-Levin-Syndrom erkrankt und deswegen plötzlich 2-3 Wochen am Stück durchschläft, und nur unbewusst für Toilettengänge und Fressattacken aufsteht, ändert sich auch Altheas Leben. Ohne Oliver ist sie förmlich nichts, denn die beiden haben wirklich alles gemeinsam gemacht. Und nun? Was soll sie ohne ihn machen?
Als dann auch noch etwas besonderes in ihrem Leben geschieht, kann sie es anfangs nicht mal ihrem Freund erzählen, nicht einmal, als er wieder wach ist...
Um mehr über seine Krankheit zu erfahren, fährt Oliver für längere Zeit zu Studienzwecken nach New York in eine Klinik, in der Hoffnung, dass man ihm dort helfen kann. Althea erfährt erst nach seiner Abreise davon, denn ausgerechnet jetzt haben die beiden sich so zerstritten, dass Oliver nichts mehr von ihr wissen will.

Meine Meinung

Was muss das für ein blödes Gefühl sein, wenn man aufwacht und mal eben 3 oder 4 Wochen vergangen sind, ohne dass man dabei war. Was man alles verpaßt hat. Und ganz egal, was die anderen erzählen, man war nicht da und kann es auch nicht nachholen, denn das ist einfach nicht das Gleiche.
Ich gestehe, als ich von diesem Syndrom lass, musste ich erst einma das www befragen, was es damit auf sich hat. Nach meiner Recherche war ich dann doch beruhigt, denn wenn es in Büchern um Krankheiten geht, sind diese in der Regel tödlich. Da kann ich euch beruhigen, das ist hier nicht der Fall.
Aber natürlich bedeutet das trotzdem nicht, dass es hier von Problemen nicht so wimmelt. Die Pubertät ist schon kein Geschenk, es gibt viele Höhen und Tiefen, man ist viel mit sich beschäftigt, da ist eigentlich kein Platz für Krankheiten.
Trotzdem finde ich, dass die Autorin das hier sehr gut kombiniert und verpackt hat. Ihr Schreibstil ist zeitgerecht und jugendlich, ohne gestellt zu wirken und es lässt sich gut lesen. Geschrieben ist es in der Gegenwart, aus der Erzählerperspektive.
Insgesamt finde ich die Geschichte von der Grundlage her sehr realistisch, was mir allerdings weniger gefällt, ist der ständig in Erscheinung tretende Alkohol zu allen Gelegenheiten.
Aber auch so gefällt mir das Buch, nicht nur, was den Inhalt, sondern auch, was das Äussere betrifft. In Schwarz und Gold gehalten, sieht es edel und trotzdem schlicht aus.

Unterm Strich

Eine gelungene Kombination aus Pubertät und Krankheit, und eine schöne Geschichte über die erste große Liebe, die mich berührt hat. Sie ist nicht oberflächlich, sondern mit ordentlich Tiefgang und regt zum Nachdenken an. Dafür von mir 5 Sternthaler.

Die Autorin 
Cristina Moracho hat am Brooklyn College studiert. Sie arbeitet heute als freie Lektorin, bringt sich selbst Gitarre bei und lebt im südlichen Brooklyn. Für das erste Kapitel von „Zwillingsterne“ erhielt sie den Lainoff Foundation Award.
Quelle: Königskinder- Autorenseite

Vielen Dank an Vorablesen und den Königskinder/ Carlsen-Verlag für dieses Leseexemplar.

Kommentare:

  1. Interessanterweise habe ich einmal eine Patientin mit dieser Erkrankung kennengelernt. Zuerst wusste niemand was sie hat, aber ein Neurologe hat es dann herausgefunden. Wir haben die Patientin 2 Wochen stationär überwacht, war ein spannender Fall.
    LG Dr. Gitta House

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    1. Das wusste ich garnicht, war sicherlich vor unserer gemeinsamen Stationsarbeit!

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  2. Hach, also wieder kein Buch, das ich von meiner Wunschliste streichen kann ... Der Königskinder Verlag macht mich wirklich noch arm :D

    Aber eine Frage hätte ich. Ich hatte vor einer Weile die Leseprobe zu "Zwillingssterne" gelesen und da gab es doch hin und wieder ziemliche Sprünge. Wie ist das denn aufs gesamte Buch gesehen? Ist das störend oder findet man da schnell hinein?

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    1. Hallo Kathrin,
      war das die LP von vorablesen? Falls ja, kann ich dich beruhigen, die ist nämlich mitten aus dem Buch gerissen. Die Sprünge im Buch sind eher unkompliziert, mich haben sie nicht gestört.

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    2. Genau die Leseprobe war es :) Dann bin ich ja beruhigt und kann mich entspannt in das Buch stürzen, sobald ich wieder etwas mehr Geld auf dem Konto habe ;)

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  3. Das Buch hatte ich erst gestern in der Hand. Aufgrund des Klappentextes, was ja mehr ein Zitat war, wurde ich nicht schlüssig, ob es mir tatsächlich gefallen konnte. Daher habe ich es sicherheitshalber mal noch in der Buchhandlung gelassen. Jetzt weiß ich dank deiner Rezi wenigstens um was es geht! Und das Thema hört sich gut an!

    Liebste Grüße,
    Kasia

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    1. Hallo Kasia,
      bei vorablesen gibt es eine Leseprobe, aber die ist mitten aus dem Buch, das finde ich dann immer recht schwierig. Aber das Buch im Ganzen ist schon gut.

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