Mittwoch, 10. Februar 2016

"Ein ganz besonderes Jahr" von Thomas Montasser

Piper-Verlag
192 Seiten
ISBN 9783492306898
Piper-Verlag
Preis: 8,99€
Taschenbuch
erschienen 01/2016


Valerie soll sich um den Buchladen ihrer Tante kümmern. Eigentlich keine große Sache, sie wird ihn verkaufen, alles abwickeln und fertig. Aber sie macht sich Gedanken, ob das wirklich alles ist. Tante Charlotte ist nämlich verschwunden und hat nur eine kleine Notiz hinterlassen, dass Valerie sich um alles "kümmern" soll. Keine Ahnung, wo Valerie beginnen soll. Ihre Tante hat den kleinen, hauptsächlich von Stammkundschaft lebenden Laden ganz ohne Computer geführt und die komplette Buchführung handschriftlich erledigt. Für Valerie unvorstellbar und so muss sie sich wohl oder übel nach und nach durch alle Schriftstücke und Ordner arbeiten.
Dabei nimmt sie natürlich auch immer mal wieder das eine oder andere Buch in die Hand und versinkt so immer öfter in ihnen, bis sie schließlich einsieht, dass "Ringelnatz und Co." nicht einfach so aufgelöst werden sollte, denn es steckt soviel Liebe und Aufmerksamkeit in diesem kleinen Laden.

Meine Meinung

Auch wenn dieses Buch nur knappe 200 Seiten hat, steckt doch so einiges darin. Es ist ein Buch über ein geheimnisvolles Buch in einem Buchladen, wie man ihn heute sicher nicht mehr allzu oft findet. Er ist besonders, hat seinen ganz eigenen persönlichen Charme und durch die sehr detaillierte Beschreibung des Autors hatte ich bald den Wunsch, mich einfach dort in einen Sessel zu setzen und zu lesen, zu schauen und zu riechen. So ist das nunmal mit diesen Büchern, sie nehmen sich einfach die Aufmerksamkeit. Nach und nach erliegt auch Valerie diesem Charme.

Zwischendurch lässt der Autor immer wieder besondere Buchtitel einfließen, und auch die Besucher, die er in die Buchhandlung lockt, sind ebenso besonders. Egal ob es der junge Timmi ist, der auf seinem Schulweg gerne vorbeikommt und sich seine Bücher nicht wegen ihres Inhalts, sondern wegen ihrer Schönheit aussucht. Oder der Bauarbeiter von gegenüber, der neben den Büchern auch ein Glas Tee aus dem alten Samowar sehr zu schätzen weiß.
Je weiter ich lese, umso mehr wünsche ich mir auch so einen Buchladen, nicht diese großen unpersönlichen ausufernden lauten Geschäfte. Im Verlauf bemerkt man den Wandel, der sich bei Valerie vollzieht, die sich auf neue Wege und Möglichkeiten einlässt.
Zwischendurch begegnet uns auch das geheimnisvolle Buch wieder, für Valerie scheinbar ein Mängelexemplar, denn es sind nicht alle Seiten bedruckt. Oder sind sie nicht bedruckt, weil sie noch garnicht geschrieben sind, so offen wie das, was vor Valerie liegt? 
Der Schreibstil bremste mich anfangs etwas aus, verschachtelte Sätze waren der Grund dafür und auch das eine oder andere Fremdwort musste ich erst einmal nachschlagen. Hat man sich erstmal eingelesen, ist der Schreibstil fast schon elegant und eher gehoben. Es erinnert mich daran, ab und zu doch mal einen Klassiker zu lesen.

Unterm Strich

Mal etwas anderes, keine leichte Lektüre, es zwang zumindest mich zum langsameren, bewußterem Lesen. Dadurch entdeckte ich einige Passagen, die mir besonders gut gefallen haben und die ich vielleicht sonst bei meinem Lesetempo nicht so wahrgenommen hätte. Ein kleiner Schatz, der es durchaus wert ist, irgendwann noch einmal gelesen zu werden.


Der Autor
Thomas Montasser arbeitete als Journalist und Universitäts-Dozent und war Leiter einer kleinen Theatertruppe. Er schrieb den großen Epochenroman »Die verbotenen Gärten«, unter dem Pseudonym Fortunato auch Kinderbücher wie »Zauber der Wünsche«. Als Vater von drei Kindern lebt er mit seiner Familie in München. Er ist Literaturagent und kennt nichts Schöneres, als in kleinen Buchhandlungen zu stöbern. Mit »Ein ganz besonderes Jahr« hat er sich seinen Traum erfüllt, endlich ein Buch über die Macht der Geschichten und über ihren Zauber zu verwirklichen.
Quelle: Piper Autorenseite

Vielen Dank an den Piper-Verlag und Was liest du für dieses Leseexemplar im Rahmen einer Leserunde.

Kommentare:

  1. Bei uns gibt (oder gab, zumindest letztes Jahr noch) so einen feinen kleinen Buchladen. Da konnte (?) man mit kleinem Geldbeutel auch gebrauchte Bücher kaufen. Auf dem Bürgersteig in einer Kiste.
    Hugendubel gibt es ebenfalls noch, aber die haben sich auf der anderen Straßenseite seeeehr! verkleinert! Schade! Ich denke, E-Bücher machen ihnen immer mehr Konkurrenz bzw. das Kaufen über Ebay usw.

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    1. Hallo Ingrid,
      ja es ist schade, dass die Kleinen von den Großen aufgefressen werden. Die Internetläden machen, dass die Leute bequem werden, dabei ist es doch so schön, in einem Buch zu blättern, es vor dem Kauf schon mal in die Hand zu nehmen. Ich hoffe, dass es echte Bücher noch lange geben wird!!

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